Südtiroler Rebsorten mit tiefen Wurzeln
Lagrein und Vernatsch prägen Südtirol seit Jahrhunderten
Als autochthon bezeichnet man eine Rebsorte, die sich in einem bestimmten Gebiet natürlich entwickelt hat. Anders als internationale Sorten wie Chardonnay, Pinot Grigio, Sauvignon, Blauburgunder oder Merlot kommen autochthone Sorten meist eng mit ihrem Herkunftsgebiet verbunden vor. In Südtirol sind Lagrein und Vernatsch die beiden Sorten, die diese Verbindung besonders klar zeigen.
Beide Rebsorten haben sich über lange Zeit an die Bedingungen vor Ort angepasst und weisen oft Besonderheiten auf, die ihren unverwechselbaren Charakter prägen. Heute gehören sie mit jeweils rund 500 Hektar Anbaufläche zu den meistangebauten Sorten in Südtirol. Außerhalb des Landes kommen sie dagegen kaum vor.
Vernatsch erlebt neue Wertschätzung
Vernatsch war lange Zeit die meistangebaute Rebsorte Südtirols. Heute zeigt sie sich in einer neuen Qualität. Vernatschweine gelten als leicht zugänglich, elegant und fein. Sie haben wenig Gerbstoff und wenig Säure und passen deshalb gut als leicht gekühlter Aperitif oder als Begleiter typischer Südtiroler Gerichte.
Je nach Herkunftsgebiet zeigt Vernatsch unterschiedliche Seiten. St. Magdalener präsentiert sich füllig, Kalterersee weich und Meraner würzig. Kalterersee erhielt 1970 als erster Südtiroler Wein die DOC-Herkunftsbezeichnung.
Lagrein zeigt Charakter und Vielseitigkeit
Lagrein war ursprünglich als Roséwein bekannt. Unter dem Namen Kretzer wurde er nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz exportiert. Erst ab den 1980er-Jahren bauten ihn Winzer immer häufiger als Rotwein aus. Durch die Vergärung mit der Schale erhält der Lagrein seine kräftige, dunkle Farbe und seine typischen Gerbstoffe.
Mitte der 1980er-Jahre folgte ein weiterer Qualitätsschritt. Damals begann der Ausbau im kleinen Eichenfass. Heute werden besonders hochwertige Qualitäten im Barriquefass ausgebaut. Lagrein gilt als charaktervoller Wein mit gut eingebundenen Tanninen und passt besonders gut zu Wild, Rind und Hartkäse.
Und der Gewürztraminer?
Auch Gewürztraminer gehört fest zur Südtiroler Weingeschichte. Der Name verweist auf das Weindorf Tramin. Trotzdem gilt Gewürztraminer nicht als autochthone Südtiroler Rebsorte. Er wird in Südtirol seit Jahrhunderten angebaut, dürfte aber aus Frankreich stammen.