Wie der Ausbau den Charakter prägt

Edelstahl, Holz oder Barrique – das Reifegefäß beeinflusst Stil und Geschmack

Jeder Wein trägt die Handschrift seines Herkunftsgebiets. Doch nach der Lese und der Gärung beginnt eine weitere entscheidende Phase auf dem Weg zum fertigen Wein: der Ausbau. In dieser Zeit entwickelt sich der Charakter eines Weins weiter. Kellermeister entscheiden dabei, in welchem Gefäß und wie lange ein Wein reift. Das beeinflusst seinen Stil, seine Struktur und seine Aromen maßgeblich.

Die Phase, in der Wein Gestalt annimmt
Nach der Gärung folgt der Ausbau. In dieser Phase werden die gewünschten Aromen entwickelt, Säure, Tannine und Alkohol in Balance gebracht und die Stabilität des Weins verbessert. Gleichzeitig entsteht die Grundlage für seine Haltbarkeit.

Ob ein Wein später fruchtige, würzige oder holzige Noten zeigt, hängt daher nicht zuletzt vom Ausbau ab. Das Reifegefäß spielt dabei eine zentrale Rolle. 

Edelstahl für Frische und Klarheit 
Am häufigsten erfolgt der Ausbau heute in Edelstahltanks. Seit den 1960er-Jahren hat sich dieses Material als wichtiger Bestandteil moderner Weinbereitung etabliert. 

Edelstahl gibt keine eigenen Aromen an den Wein ab und lässt keinen Sauerstoff durch. Dadurch bleiben frische und fruchtige Aromen besonders gut erhalten. Diese Eigenschaften sind vor allem bei vielen Weißweinen gefragt.

Holz verleiht Tiefe und Struktur 
Anders verhält es sich beim Ausbau im Holzfass. Holz ermöglicht einen kontrollierten Austausch mit Sauerstoff. Dadurch wirken Weine oft weicher, harmonischer und strukturierter.

Gleichzeitig gibt das Holz eigene Aromen an den Wein ab. Je nach Ausbau können Noten von Vanille, Tabak, Schokolade, Röstaromen oder rauchige Nuancen entstehen. Wie intensiv diese wahrnehmbar sind, hängt von der Größe des Fasses und der Dauer der Lagerung ab.

 

Barrique oder großes Holzfass
Besonders intensiv zeigt sich der Einfluss des Holzes beim Ausbau im Barrique. Das Fassungsvermögen eines Barriques beträgt 225 Liter. Durch das vergleichsweise kleine Fassvermögen kommen Wein und Holz stärker miteinander in Kontakt.

Große Holzfässer fassen dagegen bis zu mehrere tausend Liter und geben deutlich weniger Holznoten an den Wein ab. Gibt man dem Wein ausreichend Zeit für die Reife, trägt dieser zur Stabilität des Weins bei.

Mehr als Stahl und Holz 
Neben Edelstahl und Holz kommen vereinzelt auch andere Materialien zum Einsatz. Beton, Terrakotta, Granit oder andere Gesteine spielen im Weinausbau ebenfalls eine Rolle, werden jedoch deutlich seltener verwendet.

Eines bleibt dabei immer gleich: Das Zusammenspiel von Zeit, Gefäß und handwerklichem Können prägt den Charakter eines Weins entscheidend.

©EOS/Florian Andergassen
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