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13.05.2020

Nachhaltigkeit im Weinbau

Ein Kurzinterview mit Alois Lageder vom gleichnamigen Weingut

  1. Wie leben Sie Nachhaltigkeit in Ihrem Arbeitsalltag?

    Das Thema Nachhaltigkeit ist bereits seit vielen Jahrzehnten aktuell. Aufgrund der immer akuter werdenden Klimaveränderung haben wir bereits in den 80er Jahren begonnen neue Rebsorten aus wärmeren Anbaugebieten anzubauen. Es ist für mich ein großes Anliegen, zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beizutragen. Daher haben wir Mitte der 90er Jahre unseren Neubau nachhaltig ausgerichtet und sind für die Wärmeerzeugung von fossilen Energieträgern auf regenerative Energiequellen wie Wasser, Sonne und Geothermie umgestiegen.

    Heute lebe ich und meine Familie Nachhaltigkeit auch im Alltag als „etwas ganz Normales“. Bei jeder Handlung und Entscheidung stelle ich mir die Frage, ob mein Tun auch nachhaltig ist. So gehe ich nicht nur bei bedeutenden Entscheidungen vor, sondern auch bei den vielen kleinen. Natürlich ist es nicht immer möglich nachhaltig zu handeln, da gilt es oft einige Aspekte abzuwägen. Dennoch: Nachhaltigkeit muss immer mitberücksichtigt werden.

  2. Was hat sich in den letzten Jahren in diesem Bereich speziell in Ihrem Betrieb getan?

    Auch wenn wir sehr viel in diese Richtung umgesetzt haben, sind wir uns im Klaren darüber, dass es noch viel Spielraum gibt. Es ist ein Prozess, der vor 30 Jahren begonnen hat und nie enden soll. Von Jahr zu Jahr ändern sich die Voraussetzungen, wir müssen immer wieder neue Wege einschlagen, um noch nachhaltiger arbeiten zu können.

    Auch bei Neubauten sollte der Nachhaltigkeitsgedanke immer präsent sein. Bei unserem Neubau habe ich beispielsweise ein bereits fertiges Projekt verworfen, weil mir klar wurde, dass ich für die Zukunft bauen möchte. Dabei galt es Funktionalität und Nachhaltigkeit zu verbinden. Unser Neubau wurde Mitte der 90er Jahre mit Unterstützung von Hans Glauber, Mitbegründer des Ökoinstituts Südtirol, fertiggestellt.

    Ich bin davon überzeugt, dass ein Winzer heutzutage nicht immer alles neu machen muss. Damit er gut arbeiten kann, sollte er den Respekt vor dem Bestehenden nicht verlieren und auf möglichst recyclebare Materialen zurückgreifen. Dabei denke ich in aller erster Linie an die Entsorgung, aber auch an die Fortbewegung.

    Nachhaltigkeit umfasst für mich neben dem wirtschaftlichen auch den sozialen Bereich. Für mich haben die Mitarbeiter einen besonderen Stellenwert. Wenn sie dem Betrieb über lange Zeit treu bleiben, spiegelt das eine sehr wichtige Form von Nachhaltigkeit wider.

  3.  Welche Rolle spielt der Faktor Nachhaltigkeit Ihrer Meinung nach in Zukunft?

    Ich hoffe, dass sie eine sehr große Rolle spielen wird. Der Lockdown durch Corona kann tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen. Wir können positive Erkenntnisse daraus ziehen. Konkret meine ich damit: Wir sollten in eine Normalität zurückkehren, in der wir darauf verzichten immer mehr zu wollen. Wichtig dabei ist es, sich selbst und der Gesellschaft Grenzen zu setzen.

    Hans Glauber hat sich zu dieser Begrenzung gute Gedanken gemacht: Es gelte Alternativen für die Wirtschaft zu bieten, dann bringe sie auch Vorteile mit sich. Der Mensch könne mit weniger sehr viel mehr erreichen und gleichzeitig viel für sein Umfeld tun, ohne sich eingeengt zu fühlen. Im Grunde sei Begrenzung eigentlich Bereicherung. Ich stimme dem zu: Wer Begrenzungen akzeptiert und das Maximum für sich rausholt, erreicht sehr viel mehr.
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