Im Ursprung verankert
21.06.2021

Im Ursprung verankert

Sortenvielfalt im Weinland Südtirol

Auch wenn Südtirol zu den kleinsten Weinanbaugebieten italienweit gehört, zählt es zu jenen mit dem größten Sortenspektrum. Vom edlen Vernatsch über den fruchtigen Weißburgunder bis hin zum knackigen Sylvaner – in Südtirol wachsen über 20 Rebsorten.

Dank der geografischen Lage zwischen Nord und Süd sowie den unterschiedlichen Böden finden hier eine Vielzahl an Sorten ihr perfektes Terroir. Bei der Auswahl der gepflanzten Sorte richtet sich der Winzer an die jeweilige Lage. Ursprünglich vom Vernatsch dominiert, haben sich die Sorten in den letzten Jahren in Südtirol in eine neue Richtung entwickelt. Heute macht die autochthone Sorte oft neueren Sorten wie Weißburgunder, Sauvignon Blanc oder Gewürztraminer Platz. Südtirols Lagen reichen von den rauen, gut durchlüfteten und schroffen Hängen des Vinschgaus oder Eisacktals über die mediterranen, sonnenverwöhnten und milden Lagen im Süden Südtirols wie dem Bozner Talkessel oder dem Überetsch und dem Weinbaugebiet rund um den Kalterer See und dem Unterland.

Neben den klimatischen Bedingungen haben die etwa 150 unterschiedlichen Gesteinsarten und die daraus folgende unterschiedliche Zusammensetzung der Böden großen Einfluss auf das Wachstum der Reben. Die Auswahl der geeigneten Rebsorte ist somit eine komplexe Angelegenheit. In Bozen und Umgebung dominieren beispielsweise Böden aus vulkanischem Porphyr, im Eisacktal und Vinschgau trifft man vor allem auf Urgesteinsböden mit Quarz, Schiefer und Glimmer und der Süden ist dominiert von Kalk- und Dolomitengestein.

Jeder Sorte ihre Lage

Südtirols Winzer kennen ihre Weingüter in- und auswendig. Wie die Bodenbeschaffenheit ist, wel-che klimatischen Bedingungen zu beachten sind und schlussendlich welche Rebsorte angepflanzt werden soll. In den folgenden Gebieten gedeihen diese Sorten am besten:

  1. Vinschgau: Dank seiner Ost-Westausrichtung handelt es sich um ein vergleichsweise trockenes Gebiet auf dem vor allem Riesling, Weiß- und Blauburgunder angebaut werden.
  2. Eisacktal: Aufgrund seines rauen Klimas ist dies der Ursprung für Spitzenweißweine wie Kerner, Sylvaner oder Veltliner.
  3. Meraner Raum: Im mediterranen Klima rund um Meran fühlen sich die Leitsorten Vernatsch, Blau- und Weißburgunder sowie Sauvignon besonders wohl.
  4. Etschtal (zwischen Meran und Bozen): Auf dem roten Porphyrsandstein gedeihen Weißweine mit mineralischem Charakter besonders gut.
  5. Bozen und Umgebung: Während der edle Vernatsch „St. Madgalener“ sein vollmundiges Aroma auf dem gleichnamigen Hügel entwickelt, wachsen auf den erwärmbaren Schwemmböden mit viel Sand und Kies im südwestlichen Stadtteil Gries die kräftigsten Lagrein-Crus Südtirols.
  6. Eppan, Kaltern und Kalterer See: Hier sind vor allem Vernatsch, Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon zu Hause.
  7. Tramin: Wie es der Name schon verrät, ist dies die prädestinierte Zone für den Gewürztraminer.
  8. Kurtatsch: Aufgrund des milden Klimas fühlen sich in dieser Zone spätreifende Sorten wie Cabernet Sauvignon wohl.
  9. Salurn: In dieser Zone sind vorwiegend Weißweine zu Hause.
  10. Neumarkt/Montan: Hier gedeihen die besten Blauburgunder des Landes.

Es ist wenig überraschend, dass in tiefen Lagen aufgrund von höheren Temperaturen auf spät rei-fende Sorten wie Lagrein, Merlot oder Cabernet Sauvignon gesetzt wird. Finessenreiche Weine wie Weißburgunder, Sauvignon Blanc oder Blauburgunder fühlen sich hingegen in höheren Lagen wohler. Der Klimawandel hat auch schon erste Anzeichen beim Südtiroler Weinbau hinterlassen, so verschiebt sich der Weinbau von frühreifen Sorten tendenziell immer weiter in die Höhe.

Nicht zuletzt verdanken wir den Sortenreichtum in Südtirol auch der Tradition. Schon früh brachten Erzherzöge weiße Burgundersorten wie den Riesling nach Südtirol, später folgten Bordeauxsorten wie Merlot oder Cabernet Sauvignon. Diesem ehrgeizigen Innovationsgeist von Winzern und Kellermeistern haben wir es zu verdanken, dass sich in den letzten Jahrzehnten der Sortenspiegel in Südtirol verschoben hat.

Tradition, Innovation und Terroir: Der richtige Nährboden für Südtirols Weinvielfalt.
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