Südtiroler Wein hatte bereits im Mittelalter einen exzellenten Ruf und war ein Wirtschaftsfaktor des Landes. Entscheidend aber für die Entwicklung des Weinbaus in Südtirol war die Modernisierung im 20. Jahrhundert. Alte Geräte wurden weggelegt, die Saltner – die Hüter der Weinberge - wurden nicht mehr gebraucht.

Im Jahre 2002 wurden bei Brixen 2.500 Jahre alte mit Eisenreifen beschlagene Holzfässer, wie sie schon die rätischen Winzer in Südtirol einst verwendet hatten, entdeckt. Vom Weinbau in Südtirol während der Römerzeit zeugt auch die „Römische Villa“ in St. Pauls-Eppan. In der Trostburg oberhalb von Waidbruck im Eisacktal steht die größte Weinpresse Südtirols.

Klöster nördlich der Alpen kauften Weingüter in Südtirol, um ihren Bedarf an Tisch- und Messwein zu decken. Oft ist von Schenkungen die Rede. Die Südtiroler wollten sich wohl ihr Seelenheil erkaufen. Um 1300 sollen 40 süddeutsche Klöster Wein von ihren Südtiroler Höfen nach Norden gekarrt haben. Auch die Bischöfe von Brixen und Trient sowie lokale Klöster investierten in den Weinbau. Belesene Klosterkellermeister bauten den Wein dann fachmännisch aus. Lange war es also das Wissen der Klöster, das den Südtiroler Wein verfeinerte. Noch heute zählen die Kellereien der Klöster zu den besten des Landes.

Erlebenswerte Museen

Das Südtiroler Weinmuseum in Kaltern illustriert Weinbaugeschichte mit einer einzigartigen Sammlung von Exponaten aus Archäologie, Kunstgeschichte, Volksreligiosität, Handwerk und Kellereiwirtschaft. Im Weinberg wachsen alte, seltene Rebsorten. Im Herbst dürfen sogar die Trauben von der Pergel gezupft werden. www.weinmuseum.it

Die Dorfmuseen von Tramin und Kurtatsch laden zur Entdeckung der bäuerlichen Traditionen und der Weinkultur in Südtirols Süden ein. Das Museum in Tramin besitzt eine internationale Sammlung von Gewürztraminer-Flaschen seit 1886. Einmalig sind auch die Faschingsfiguren des Traminer Egetmann-Umzuges. www.museumzeitreisemensch.it, www.dorfmuseum-tramin.com

Die Weinberge von Trauttmansdorff in Meran bewahren 15 heimische Rebsorten vor dem Vergessen: Blatterle, Jungferler, Fraueler, Gschlafener... Im Herbst werden Weingut-Führungen angeboten, auch zur „Versoaln“ von Schloss Katzenzungen in Prissian, der größten und wohl ältesten Rebe der Welt. Der Versoaln-Wein wird exklusiv verkostet.
www.trauttmansdorff.it

Erlebenswerte Klöster

Seit der Gründung 1142 wird im Kloster Neustift bei Brixen von den Augustiner Chorherren Wein gekeltert. Stiftsführungen nehmen mit auf eine Reise in die Geschichte. Nach Voranmeldung sind auch Verkostungen im Stiftskeller möglich. www.kloster-neustift.it

Augustiner Chorherren bauten eine frühe Burg am rechten Fleck - „Cheller“ (Keller) hieß die Gegend um Kloster Muri Gries in Bozen einst – zum Kloster um. Als 1845 die aus dem Kloster Muri in der Schweiz vertriebenen Benediktiner einzogen, erweckten sie den Weinbau zur Blüte. www.muri-gries.com

1991 pachtete die Kellerei Von Braunbach die still gelegte Weinkellerei des Deutschorden-Klosters in Siebeneich bei Terlan und keltert seitdem auch die Lagreintrauben des Klosters ein. Das historische, mit modernen Elementen belebte Ensemble - um 1200 ein Geschenk des Brixner Bischofs - hat seine kontemplative Aura bewahrt. www.braunbach.it