Weißweine mit frischer, filigraner Frucht und gutem Schmelz, Rotweine mit viel Aroma und Charakter, toller Struktur und perfektem Gerbstoffgerüst – so präsentiert sich in Südtirol der Jahrgang 2011.

Dabei verlief das Jahr in Südtirols Weinbergen alles andere als einfach. Wetterkapriolen, Hagelschläge und nicht zuletzt das Auftreten eines eingeschleppten Schädlings, der Kirschessigfliege, stellten in manchen Gebieten alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Trotz mancher Schwierigkeiten hat „die Ernte 2011 dann aber doch alle Erwartungen übertroffen“, freut sich Josef Brigl von der gleichnamigen Traditionskellerei in Eppan. Auch Südtirols Weinbauern und Kellermeister sind mehr als zufrieden – vor allem, weil sie da und dort im wahrsten Sinne des Wortes mit einem blauen Auge davongekommen sind.

Die Weißweine
Bei den Weißweinen schnitten 2011 die frühreifen Lagen sehr gut ab. „Durch den kühlen August konnten sich in den Trauben eine schöne Säure und Mineralik entwickeln“, berichtet Otmar Donà, Kellermeister der Kellerei Kurtatsch. Für Stefan Kapfinger, Kellermeister der Meraner Kellerei, überzeugen vor allem „Weißburgunder mit viel Kraft, frische, typische Müller Thurgau und sehr exotische Sauvignon“. Besonders stechen Chardonnay, Pinot grigio und Gewürztraminer hervor, die mit dem warmen Herbst sehr gut zurecht gekommen sind.

In den höheren Weißweinlagen, und dazu zählen auch das Eisacktal und der Vinschgau, „haben die hohen Temperaturen während der Erntezeit für hohe Zuckergradationen und niedrigere Säurewerte gesorgt“, erzählt Hannes Baumgartner vom Strasserhof in Neustift. Mit viel Frucht und markanter Aromatik, schmelzig und breit zeigen sich die Weißen hier. Allerdings fehlt es da und dort etwas an der typischen Frische und Knackigkeit. „Riesling, Kerner und Sylvaner sind jedoch von Natur aus mit mehr Säure ausgestattet und haben deshalb nicht so sehr unter der Wärme gelitten“, so Baumgartner. Für ihn stechen 2011 im Eisacktal vor allem die Veltliner hervor, „die mit ihrer Fülle durchwegs mit jenen aus der Wachau mithalten können“.
Im Vinschgau punkten laut Stefan Kapfinger „vor allem die Rieslinge, zwar mit etwas weniger Mineralität, dafür aber mit knackiger Frucht sowie mit Duft- und Ausdrucksstärke“.

Die Rotweine
Bei den Rotweinen des Jahres 2011 sind sich alle einig: Absoluter Spitzenreiter ist der Lagrein. Christian Werth, Kellermeister der Klosterkellerei Muri Gries, hat selten so reife und extrem gesunde Trauben in den Keller bekommen. „Es hat bisher wohl kaum einen solch herausragenden Lagrein-Jahrgang gegeben wie 2011“, freut sich der Bozner Kellermeister: „Die Weine sind dicht und konzentriert, mit Säurewerten, die leicht über den normalen Durchschnittswerten liegen. Und die Basisweine machen mit ihrer Weichheit und Reife jetzt schon viel Spaß beim Trinken“.

Wo es nicht gehagelt hat, dort sind die Kellermeister auch mit den Vernatsch-Weinen sehr zufrieden. „2011 haben wir endlich wieder einen typischen, trinkigen und frischen Vernatsch“, schwärmt Josef Brigl. „Die wegen der Kirschessigfliege vorgezogene Vernatsch-Ernte hat den Weinen nicht geschadet“, ist auch Stefan Kapfinger überzeugt. Im Gegenteil. Und auch im Unterland gibt es für Otmar Donà „Vernatsch mit leuchtender Farbe, viel Säure und viel Frucht – so wie selten zuvor“. Nicht so körperreich wie in den letzten beiden Jahren präsentieren sich Kalterersee und St. Magdalener, dafür aber sehr fruchtig und trinkig – eben so, wie ein Vernatsch sein soll.

Perfekt reif kamen auch die Blauburgunder-Trauben in die Keller. Und ins Schwärmen kommen alle bei den Cabernet- und Merlot-Qualitäten 2011. „Einer der besten Jahrgänge der letzten zwei Jahrzehnte“, sind die Kellermeister überzeugt: „Dichte, Farbintensität und Fruchtsüße der Weine schlagen alles – da haben wir es mit höchstem Niveau und perfekter Qualität zu tun!“ Das ideale Herbstwetter hat hier ganze Arbeit geleistet.

Als durchgehend „sehr gut bis ausgezeichnet“ bewerten die Kellermeister die Rotweine des Jahrgangs. „Gut bis sehr gut“ gibt es für die Südtiroler Weißweine. 2011 ist auf jeden Fall „ein spannender Jahrgang mit einigen absoluten Höhepunkten“, sind sie unisono überzeugt. „Der Jahrgang 2011 kommt in den Weinen sehr deutlich zum Ausdruck“, unterstreicht Christian Werth. „Der Wein wird zum Spiegel der Natur und des jeweiligen Jahrgangs – und das macht ihn ja so spannend für alle. Für die Weinbauern genauso wie für uns Kellermeister und alle Weinfreunde und Genießer.“